đ„ Sollte man fĂŒr ein Jiu-Jitsu-Turnier Gewicht machen?
Ein kompletter, ehrlicher Leitfaden fĂŒr AnfĂ€nger, Fortgeschrittene und alle, die sich nicht ruinieren wollen.
â 1. Das Allererste, was du machst, bevor du dich anmeldest
Bevor du ĂŒberhaupt ĂŒber Weightcut, DiĂ€t, Gewichtsklasse oder âIch könnte doch noch 3 kg runterâ nachdenkst,
machst du nur eine einzige Sache:
đ Du checkst die WIEGE-REGELN des Turniers.
Nicht spÀter.
Nicht âirgendwannâ.
Nicht âich schauâs mir spĂ€ter mal anâ.
Das ist Schritt 1. Alles andere hÀngt davon ab.
đ Was du genau prĂŒfst:
Wann wird gewogen? (Abend vorher? Morgen? Direkt vor dem Match?)
Wie wird gewogen? (Gi + GĂŒrtel? Rashguard + Shorts? T-Shirt + Shorts?)
Was passiert, wenn du zu schwer bist? (Disqualifikation? Höherstufen?)
Wie viel Zeit hast du zwischen Wiegen und KĂ€mpfen?
Kannst du vorher testwiegen?
đ Die drei wichtigsten Organisationen:
AJP/ADCC
Wiegen entweder am Abend davor oder am Morgen des Turniers
Bekleidung: T-Shirt + knielange Shorts
Wenn du zu schwer bist â eine Gewichtsklasse höher, auĂer Black Belt Adult â Disqualifikation
Disqualifikation bei ADCC!
Kein Gramm Toleranz
IBJJF
Wiegen direkt vor deinem ersten Match
Bekleidung: Gi + GĂŒrtel (Gi) oder Rashguard + Shorts (No-Gi)
Keine Toleranz
Wenn du zu schwer bist â Disqualifiziert
Grappling Industries
Wiegen jederzeit am Turniertag, spÀtestens 1 Stunde vor deinem Match
Bekleidung: frei (Boxershorts, Shorts, GiâŠ)
Keine Toleranz
Zu schwer â manchmal hochgestuft, je nach Turnier (offiziell nicht aber Grappling Industries ist manchmal kulant)
Erst wenn du diese Regeln kennst, kannst du realistisch entscheiden, welche Gewichtsklasse du nimmst.
âïž 2. Weightcut vs. einfach abnehmen â was ist der Unterschied?
đ§Ș A) âEinfach abnehmenâ (Bodyfat verlieren)
Das ist:
langsamer
ĂŒber Wochen
ĂŒber ErnĂ€hrung & Training
mit wenig Stress
mit realer Leistungsverbesserung
Das ist gesund, stabil und oft sinnvoll, egal ob Wettkampf oder nicht.
đ§Ș B) Weightcut (Wasserentzug)
Das ist etwas komplett anderes.
Weightcut heiĂt:
Wasser rausziehen
Natrium runter
Kohlenhydrate und Glykogen entleeren
mehrere Kilo Wasser verlieren
und nach dem Wiegen wieder aufnehmen
Ein Weightcut ist keine DiÀt.
Es ist ein Kurzzeit-Manipulation des Körperwassers.
Biochemisch passiert:
weniger Glykogen â weniger gespeichertes Wasser
weniger Salz â weniger Wasserbindung
mehr Schwitzen â akut Wasserverlust
kurzfristig: Leistungsabfall
nach dem Rehydrieren: normalisiert sich vieles
Das ist hochsensibel und kann bei AnfÀngern richtig schiefgehen.
đ« 3. Warum Weightcuts fĂŒr Whitebelts (und oft auch Bluebelts) eine dumme Idee sind
â Du verlierst nicht, weil der andere 2 kg schwerer ist.
Du verlierst, weil:
du eine Technik nicht kanntest
du eine falsche Entscheidung getroffen hast
du nicht wusstest, wie du reagieren sollst
du nervös warst
du taktisch einen Fehler gemacht hast
Nicht, weil der Gegner 1,7 kg schwerer war.
Gewicht ist auf lokalem Niveau fast nie das Hauptproblem.
â Ein Weightcut frisst Energie, Zeit und mentale KapazitĂ€t
Whitebelts haben genug zu tun:
Regeln lernen
auf die Uhr achten
Haltung halten
Atmen
NervositÀt kontrollieren
grundlegende Reaktionen koordinieren
Ein Weightcut macht das ALLES schwerer.
â Kurzfristige Crash-DiĂ€ten bringen gar nichts
2 Wochen DiĂ€t â Gewichtsklasse runter â aber:
du bist schwÀcher
du bist langsamer
du bist frustrierter
dein Training ist schlechter
deine Gehirnleistung sinkt
Damit hast du im Turnier keinen Vorteil, sondern eher einen Nachteil.
𧚠4. Warum ein Kaloriendefizit deine Laune, Leistung und Gesundheit zerstört
Im Defizit passiert Folgendes:
đ” Weniger Energie â schlechteres Training
Du fĂŒhlst dich flach, schlapp.
Die IntensitÀt bricht ein.
đ€Ź Weniger Kohlenhydrate â schlechtere Laune
Serotonin & Dopamin sinken â mehr Gereiztheit, weniger Motivation.
đ€ SchwĂ€cheres Immunsystem
Chronisches Defizit = höhere InfektanfÀlligkeit.
ErkĂ€ltung im Training? Ăberraschung: Energiemangel.
â ïž Höheres Verletzungsrisiko
Weniger Gewebereparatur + weniger Konzentration.
đ Schlechter Schlaf
Defizit erhöht Cortisol â du schlĂ€fst schlechter â du regenerierst schlechter.
Das willst du nicht. Wirklich nicht.
đ§ 5. Also⊠sollte man Gewicht machen?
âïž Ja â aber nur, wenn duâŠ
mehrere Turniere Erfahrung hast
die Wiege-Regeln kennst
weiĂt, wie dein Körper reagiert
einen klaren Grund hast
ĂŒber Wochen strukturiert arbeitest
NICHT in Panik kurzfristig 3 kg crashen willst
â Nein â wenn duâŠ
Whitebelt bist
sehr wenig Turniererfahrung hast
eh nur 2â3Ă pro Woche trainierst
nervös bist oder leicht ĂŒberfordert
nicht regelmĂ€Ăig wiegst
keine Ahnung von ErnÀhrung hast
dir einfach âirgendwas ausrechnestâ
(Spoiler: das funktioniert nie)
FĂŒr 90 % aller AnfĂ€nger:
đ Keine Weightcuts. Nimm deine echte Gewichtsklasse.
đ„ 6. Was fĂŒr AnfĂ€nger stattdessen sinnvoll ist
Fit werden
Techniken kennen
Guard, Pass, Takedown Basics stabil machen
Gameplan lernen
NervositÀt managen
Erfahrung sammeln
Mentale Routinen entwickeln
Timing & Reaktionen verbessern
Gewicht ist NICHT der Engpass.
Skill ist es.
đ§© 7. âIch wiege mich ja regelmĂ€Ăig â kann ich nicht einfach schĂ€tzen?â
Kurz: Nein.
Das ist, als wĂŒrdest du denken, du kennst deine SteuererklĂ€rung âungefĂ€hrâ.
Warum nicht?
Dein Gewicht schwankt extrem je nach:
Wasser
Glykogen
Verdauung
Salz
Schwitzen
Uhrzeit
Klamotten
Toilette oder nicht
Tagesrhythmus
Die Unterschiede können bis zu 3â4 kg betragen â am selben Tag.
SchÀtzen ist keine Strategie.
Das ist GlĂŒcksspiel.
đ§ 8. Die richtige Reihenfolge fĂŒr eine gute Entscheidung
1ïžâŁ Wiege-Regeln lesen
2ïžâŁ Dein echtes Gewicht tracken (morgens, nach dem Aufstehen, immer gleich)
3ïžâŁ Training & ErnĂ€hrung checken
4ïžâŁ Stressfreiheit priorisieren
5ïžâŁ Realistische Klasse wĂ€hlen
6ïžâŁ Wenn ĂŒberhaupt: nur Mini-Cuts (<2 % Körpergewicht)
7ïžâŁ Erfahrung sammeln â erst spĂ€ter riskieren

