🧘♂️ Stretching & Mobility – was sie bringen, was nicht, und wie du sie wirklich sinnvoll nutzt
🧩 1. Stretching ≠ Muskelverlängerung – was wirklich passiert
Fangen wir mit einem weit verbreiteten Mythos an: ❗️
Beim Stretching „verlängerst“ du deine Muskeln nicht wirklich. Muskelfasern werden durch Dehnung nicht dauerhaft länger. Was sich verändert, ist vor allem die Toleranz deines Nervensystems gegenüber Spannung.
👉 Bedeutet: Dein Körper lernt, eine bestimmte Dehnspannung als „okay“ einzustufen.
👉 Außerdem verbessert sich die Gleitfähigkeit von Gewebe, die Ansteuerung durch das Nervensystem und die Bewegungskontrolle.
📊 Studien zeigen: Die meisten Verbesserungen in Beweglichkeit durch Stretching entstehen nicht, weil der Muskel wächst oder schrumpft, sondern weil dein Gehirn und Nervensystem lernen, mehr Bewegung zuzulassen.
🤸♂️ 2. Stretching vs. Mobility – zwei ähnliche, aber nicht gleiche Werkzeuge
Stretching 🧘♂️ ist klassisch passiv oder aktiv gehaltenes Dehnen – man nimmt eine Position ein und hält sie über längere Zeit.
Mobility 🏃♂️ hingegen bedeutet, den Bewegungsumfang aktiv unter Spannung zu kontrollieren. Hier geht es nicht nur um Beweglichkeit, sondern auch um Kraft, Stabilität und neuromuskuläre Kontrolle.
📍 Beispiel:
Wenn du dich einfach nach vorne beugst und versuchst, die Zehen zu berühren → klassisches Stretching.
Wenn du aktiv aus eigener Kraft eine tiefe Hüftposition einnimmst → Mobility.
✅ Kurz gesagt:
Stretching = passiv „erlauben“
Mobility = aktiv „kontrollieren“
🧠 3. Was sagt die Wissenschaft heute?
Die moderne Forschung ist sich weitgehend einig:
🔬 Vor dem Training:
Langes, statisches Dehnen kann kurzfristig die Schnellkraft und Kraftleistung etwas reduzieren.
Aktive Mobility oder kurzes, dynamisches Dehnen hingegen kann die Bewegungsqualität verbessern und Verletzungen vorbeugen.
🔬 Nach dem Training:
Stretching kann helfen, Muskelspannung zu reduzieren und subjektiv die Regeneration zu unterstützen.
Es ist kein Wundermittel, aber eine sinnvolle Ergänzung.
🔬 Langfristig:
Regelmäßiges Dehnen verbessert Bewegungsumfang und Körpergefühl – nicht, weil der Muskel wächst, sondern weil das Nervensystem sich anpasst.
🕒 4. Wann Stretching sinnvoll ist – und wann nicht
📍 Vor dem Training:
Nur leichtes Dehnen oder besser aktive Mobility. Ziel: Nervensystem aktivieren, Beweglichkeit und Gelenkspiel verbessern.
📍 Nach dem Training:
Moderate Dehnung kann Spannungen lösen und die Regeneration subjektiv verbessern.
📍 An anderen Tagen:
Tiefgehendes Stretching und Mobilitätstraining bringen am meisten, wenn sie nicht direkt vor oder nach einer harten Einheit stattfinden.
🧘♀️ 5. Tiefe Dehnung = eigenes Training 🗓️
Hier ein Punkt, den viele übersehen: Richtig tiefe Dehnübungen wie Spagat, Pancake oder extreme Hüftöffnungen sind keine Aufwärmübungen – sie sind eine eigene Trainingsform. 🧪
Warum?
Weil tiefe Dehnung ähnliche Prozesse auslöst wie Krafttraining:
Es entstehen mikroskopisch kleine Risse im Muskelgewebe.
Der Körper reagiert mit Anpassung und Reparatur.
Kurzfristig bist du verletzungsanfälliger und kraftärmer.
👉 Deshalb:
❌ Kein tiefes Stretching direkt vor dem Sparring oder Techniktraining.
❌ Kein intensives Spagattraining direkt nach einer Einheit, wenn Muskeln müde und geschwächt sind.
✅ Plane solche Einheiten an Ruhetagen oder weit entfernt vom Training – z. B. am Wochenende.
🥋 6. Praxis vs. Erwartung – warum im Training oft zu viel gedehnt wird
Jetzt kommt der realistische Teil 🧠:
Viele, die ins BJJ-Training kommen, haben eine bestimmte Erwartung:
„Ich will Sport machen! 💦“ – also schwitzen, atmen, pumpen, dehnen.
Deshalb erwarten sie automatisch:
Aufwärmen ✅
Kraftübungen ✅
Cardio ✅
Stretching ✅
Aber: Optimal ist das nicht.
Aus sportwissenschaftlicher Sicht ist die wertvollste Zeit auf der Matte die, die du mit Techniktraining und Sparring verbringst. Hier machst du Fortschritte, entwickelst Timing und wirst besser. 💥
Das Problem:
Zu viel Warm-up oder Stretching = ❌ Zeitverlust für Technik und Sparring
Gar kein Warm-up = ❌ Körper (v. a. bei Anfängern) überfordert
👉 Die Lösung liegt dazwischen:
🔥 7. Sinnvolle Trainingsstruktur
✅ Warm-up:
Kurz, aktiv, funktional
Fokus auf Mobility, Gelenkbewegungen, leichte Aktivierung
Eventuell ein paar Soloübungen oder Drills
✅ Hauptteil:
Techniktraining & Sparring – hier entsteht Fortschritt und Anpassung
✅ Cool-down:
Optional leichtes Dehnen, mehr aus mentalen Gründen als aus physischer Notwendigkeit
📈 Je fortgeschrittener du bist, desto mehr Eigenverantwortung solltest du übernehmen:
Wenn du dich mehr dehnen willst → vorher selbstständig kommen und dehnen.
Wenn du deine Beweglichkeit ernsthaft steigern willst → separate Mobility-Sessions einplanen.
👶 Anfänger profitieren von einem kurzen Warm-up nicht nur physisch, sondern auch mental: Sie haben Zeit, in den Modus zu kommen, bevor es technisch anspruchsvoll wird.
✅ Fazit – die wichtigsten Punkte zusammengefasst
🔹 Muskeln „verlängern“ sich nicht – dein Nervensystem lernt, mehr Bewegung zuzulassen.
🔹 Vor dem Training: aktive Mobility oder leichtes Dehnen.
🔹 Nach dem Training: moderates Stretching ist okay.
🔹 Tiefe Dehnung ist ein eigenes Training – und gehört nicht direkt vor oder nach eine Einheit.
🔹 Im Training zählt vor allem Technik & Sparring – Warm-up und Stretching sind nur Werkzeuge, keine Hauptsache.
🔹 Je fortgeschrittener du bist, desto mehr verlagert sich Stretching & Mobility außerhalb des Trainings.
💡 Bottom Line: Stretching und Mobility sind keine Nebensache, aber auch kein Selbstzweck. Wenn du sie richtig einsetzt, unterstützen sie deine Performance – wenn du sie falsch nutzt, kosten sie Zeit, Energie und Fortschritt. 🥋🔥

