Du musst nicht auf den richtigen Moment warten

Manchmal ist es gar nicht so schwer, mit Jiu-Jitsu anzufangen. Du kommst ins Probetraining, lernst neue Leute kennen, entdeckst etwas, das dir Spaß macht, und merkst schnell, dass du gerne wiederkommen möchtest.

Und dann kommt der Alltag.

Die Arbeit wird stressiger. Der Stundenplan ändert sich. Neue Verpflichtungen kommen dazu. Du kommst später nach Hause, musst noch etwas erledigen, etwas essen und eigentlich wärst du auch ganz froh, einfach mal auf dem Sofa zu sitzen.

Plötzlich ist es gar nicht mehr so einfach, regelmäßig zum Training zu kommen.

Und vielleicht kennst du diesen Gedanken: Im Moment passt es einfach nicht richtig in meinen Alltag. Wenn es wieder etwas ruhiger wird, kann ich häufiger trainieren.

Das klingt vernünftig. Und natürlich gibt es Phasen, in denen das Leben tatsächlich besonders viel von uns verlangt. Manchmal müssen wir unsere Prioritäten verändern.

Aber es gibt etwas, das wir dabei leicht vergessen.

Du musst nicht erst Zeit übrig haben, um etwas Gutes für dich zu tun.

Niemand hat den perfekten Alltag

Wenn du denkst, dass andere Menschen es leichter haben, regelmäßig zu trainieren, weil sie mehr Zeit oder weniger Verpflichtungen haben, liegst du wahrscheinlich falsch.

Die meisten kommen direkt von der Arbeit. Manche haben Familie, andere studieren, schreiben Prüfungen oder arbeiten in wechselnden Schichten. Einige stehen früh auf, andere schaffen es erst am Abend, wenn sie eigentlich schon müde sind.

Niemand wartet den ganzen Tag entspannt darauf, endlich zum Training gehen zu können.

Die meisten müssen das Training irgendwo zwischen all den anderen Dingen unterbringen, die ihr Leben ausmachen.

Der Unterschied ist nicht unbedingt, dass manche Menschen weniger zu tun haben.

Manche haben einfach entschieden, dass Jiu-Jitsu einen festen Platz in ihrem Leben bekommt.

Das bedeutet nicht, dass sie immer motiviert sind oder dass es jedes Mal einfach ist. Es bedeutet nur, dass sie nicht bei jeder stressigen Woche neu entscheiden müssen, ob sie eigentlich noch trainieren möchten.

Sie haben einen Weg gefunden, es möglich zu machen.

Was, wenn das Training dir Energie gibt?

Wir betrachten Training oft als etwas, für das wir Energie brauchen. Wir müssen uns aufraffen, unsere Sachen packen, zum Gym fahren und uns körperlich anstrengen.

Das stimmt natürlich. Jiu-Jitsu ist anstrengend.

Aber wir vergessen dabei manchmal, was wir zurückbekommen.

Du verbringst Zeit mit Menschen, die du gerne siehst. Du konzentrierst dich auf etwas völlig anderes als deine Arbeit, deine Prüfungen oder die Dinge, die zu Hause noch erledigt werden müssen. Für eine Weile ist dein Kopf mit einer ganz anderen Aufgabe beschäftigt.

Du lernst etwas Neues. Du löst Probleme. Du bewegst dich, lachst mit deinen Trainingspartnern und merkst vielleicht, dass du etwas geschafft hast, das dir vor einigen Wochen noch unmöglich erschien.

Du gehst nach Hause und hast nicht einfach nur Zeit verbraucht. Du hast etwas für dich getan.

Natürlich wirst du nach einem harten Training auch körperlich müde sein. Und manchmal ist Erholung tatsächlich wichtiger. Aber gerade mental kann Training ein Ausgleich sein, der dir hilft, mit deinem Alltag besser umzugehen.

Vielleicht ist Jiu-Jitsu nicht noch eine weitere Aufgabe auf deiner Liste.

Vielleicht ist es genau der Teil deiner Woche, der dir hilft, den Rest besser zu bewältigen.

Du musst nicht perfekt trainieren

Vielleicht stellst du dir vor, dass regelmäßiges Training bedeutet, vier- oder fünfmal pro Woche ins Gym zu kommen. Und weil du das momentan nicht schaffst, hast du das Gefühl, dass sich der Aufwand kaum lohnt.

Aber du musst nicht jeden Tag trainieren, um Fortschritte zu machen.

Wenn du es schaffst, ein- bis dreimal pro Woche zu kommen, ist das ein Anfang, mit dem du sehr viel erreichen kannst. Entscheidend ist nicht, dass jede Woche perfekt läuft. Entscheidend ist, dass du über längere Zeit dabeibleibst.

Am Anfang kostet dich vieles noch Überwindung. Du kennst die Abläufe nicht, die Techniken fühlen sich ungewohnt an und du weißt noch nicht genau, was du tust. Gleichzeitig versuchst du, das Training mit deinem bisherigen Leben zu vereinbaren.

Mit der Zeit wird vieles selbstverständlicher. Du kennst die Leute, du verstehst die Abläufe und du erkennst Fortschritte. Du musst nicht mehr jedes Mal überlegen, ob du wirklich gehen sollst. Das Training wird ein normaler Bestandteil deiner Woche.

Und irgendwann merkst du, dass du nicht nur besser in Jiu-Jitsu geworden bist. Du hast auch eine Routine aufgebaut, auf die du dich verlassen kannst.

Du musst nicht von Anfang an alles richtig machen. Du musst nur lange genug dabeibleiben, damit sich etwas entwickeln kann.

Fang nicht irgendwann an. Fang mit dem an, was möglich ist.

Vielleicht kannst du momentan nicht so häufig trainieren, wie du gerne möchtest. Das ist in Ordnung.

Frag dich trotzdem einmal ehrlich: Was wäre in meinem aktuellen Alltag tatsächlich möglich, wenn ich dem Training einen festen Platz geben würde?

Vielleicht ist es ein Abend pro Woche. Vielleicht sind es zwei. Vielleicht passt eine Einheit am Morgen besser als am Abend. Vielleicht musst du deine Woche etwas anders planen oder eine kleine Gewohnheit verändern.

Du musst nicht dein ganzes Leben um Jiu-Jitsu herum organisieren. Aber du kannst anfangen, Jiu-Jitsu bewusst in dein Leben einzubauen.

Und wenn eine Woche einmal nicht funktioniert, ist das kein Grund, alles infrage zu stellen. Dann kommst du eben in der nächsten Woche wieder.

Es geht nicht darum, immer die perfekte Entscheidung zu treffen. Es geht darum, immer wieder eine Entscheidung zu treffen, die dich deinen Zielen näherbringt.

Wir wünschen uns, dass jeder bei uns die Möglichkeit bekommt, zu erleben, was Jiu-Jitsu über längere Zeit mit einem machen kann: technisch besser werden, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln, gute Menschen kennenlernen und einen Ausgleich zum Alltag finden.

Dafür musst du nicht besonders talentiert sein. Du musst auch nicht besonders viel Zeit haben.

Du musst dir nur die Chance geben, herauszufinden, was möglich ist, wenn du dabeibleibst.

Warte nicht darauf, dass dein Leben ruhiger wird, bevor du etwas für dich tust. Finde einen Weg, der in dein Leben passt, und fang dort an.

Wir freuen uns, dich auf der Matte zu sehen.

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