Lernen zu verlieren: Warum Anfänger im Jiu-Jitsu verlieren müssen

Wenn du mit Jiu-Jitsu anfängst, klingt dieser Titel wahrscheinlich erst einmal ziemlich bescheuert.

Warum sollte ich lernen zu verlieren?

Ich bin doch hier, um Jiu-Jitsu zu lernen. Und wenn ich im Sparring bin, soll ich doch versuchen zu gewinnen. Wenn ich nicht versuche zu gewinnen, wie soll ich denn jemals lernen, zu gewinnen?

Genau.

Du sollst versuchen zu gewinnen.

Aber du musst gleichzeitig lernen, verlieren zu können.

Und das ist gerade für Anfänger eine der wichtigsten Fähigkeiten überhaupt.

Denn wenn dein gesamtes Training darauf ausgerichtet ist, jede Runde zu gewinnen, kann genau dieser Wunsch deinen Lernfortschritt massiv verlangsamen.

Und je nach körperlicher Verfassung und Trainingspartner kann er sogar dazu führen, dass sich Menschen unnötig verletzen.

Der Anfänger verwechselt Verlieren mit Versagen

Wenn du neu im Jiu-Jitsu bist, hast du zunächst ein Problem:

Du kannst noch nicht besonders viel.

Das ist völlig normal.

Du bist Anfänger.

Aber dein Körper weiß das nicht unbedingt.

Vielleicht bist du kräftig.

Vielleicht bist du schwer.

Vielleicht bist du schnell.

Vielleicht hast du schon andere Sportarten gemacht.

Vielleicht bist du körperlich sogar deutlich stärker als dein Trainingspartner.

Und plötzlich kannst du mit diesen Eigenschaften Dinge kompensieren, die dir technisch noch fehlen.

Du kannst dich festhalten.

Du kannst jemanden wegdrücken.

Du kannst explodieren.

Du kannst mit deinem Gewicht Druck erzeugen.

Du kannst dich irgendwie aus einer schlechten Position herauskämpfen.

Und wenn das funktioniert, entsteht schnell ein gefährlicher Gedanke:

„Ich habe gewonnen. Also habe ich es richtig gemacht.“

Aber das stimmt nicht unbedingt.

Vielleicht hast du nur deine körperlichen Voraussetzungen genutzt, um ein technisches Problem zu überdecken.

Wenn du unbedingt gewinnen musst, lernst du nicht mehr

Stell dir vor, du bist in einer schlechten Position.

Dein Trainingspartner hat deine Guard passiert und kontrolliert dich.

Du hast gerade gelernt, dass du aus dieser Position mit einem bestimmten Escape arbeiten kannst.

Aber du hast noch keine Ahnung, wie der Escape richtig funktioniert.

Jetzt hast du zwei Möglichkeiten.

Du kannst versuchen, die Position zu verstehen.

Oder du kannst einfach alles geben, um irgendwie herauszukommen.

Wenn dein einziges Ziel lautet:

„Ich darf diese Runde nicht verlieren!“

wirst du wahrscheinlich die zweite Variante wählen.

Du spannst alles an.

Du drückst.

Du ziehst.

Du drehst dich.

Du explodierst.

Du versuchst, deinen Partner irgendwie wegzuschieben.

Vielleicht funktioniert es sogar.

Aber was hast du gelernt?

Nicht besonders viel.

Du hast lediglich gelernt:

„Wenn ich stark genug bin und genug Kraft einsetze, komme ich manchmal aus dieser Position.“

Das funktioniert vielleicht gegen einen Anfänger.

Vielleicht sogar gegen jemanden, der körperlich schwächer ist.

Aber irgendwann triffst du auf jemanden, bei dem das nicht mehr funktioniert.

Und dann hast du ein Problem.

Denn du hast nie gelernt, warum die Position funktioniert und wie du sie technisch lösen kannst.

Du musst nicht jede Runde gewinnen

Das ist eine der wichtigsten Lektionen, die du als Anfänger verstehen kannst:

Eine Trainingsrunde ist kein Test deines Wertes.

Wenn dein Trainingspartner dich submitted, bedeutet das nicht:

„Ich bin schlecht.“

Es bedeutet:

„In dieser Situation hat sein Jiu-Jitsu besser funktioniert als meines.“

Das ist eine Information.

Mehr nicht.

Vielleicht hat er deine Guard passiert.

Dann weißt du etwas über deine Guard.

Vielleicht hat er dich aus einer bestimmten Position submitted.

Dann weißt du etwas über diese Position.

Vielleicht hast du zehn Minuten lang versucht, aus einer schlechten Lage zu entkommen und bist zehnmal gescheitert.

Das sind nicht zehn persönliche Niederlagen.

Das sind zehn Datenpunkte.

Du hast gerade zehnmal gesehen, dass dein bisheriger Lösungsweg nicht funktioniert.

Das ist wertvoll.

Verlieren schafft die Voraussetzung für Lernen

Wenn du akzeptierst, dass du eine Runde verlieren kannst, kannst du plötzlich Dinge tun, die für deine Entwicklung extrem wichtig sind.

Du kannst in schlechte Positionen gehen.

Du kannst deine Guard ausprobieren.

Du kannst einen Escape üben, obwohl du weißt, dass dein Partner dich wahrscheinlich wieder kontrollieren wird.

Du kannst einen Sweep versuchen, den du erst seit einer Woche kennst.

Du kannst einen Griff nehmen, den du noch nicht beherrschst.

Du kannst deinen Partner sogar bewusst in eine dominante Position kommen lassen.

Und plötzlich wird eine Runde nicht mehr zu:

„Kann ich diesen Menschen besiegen?“

sondern zu:

„Kann ich herausfinden, was hier funktioniert?“

Das ist ein gewaltiger Unterschied.

Der Anfänger braucht Niederlagen

Ein Anfänger braucht eigentlich etwas, das seinem Ego überhaupt nicht gefällt:

Er muss sehr häufig Dinge tun, bei denen er schlecht aussieht. ( und das gilt nicht nur für Anfänger!)

Du musst tapen.

Du musst Positionen abgeben.

Du musst Sweeps kassieren.

Du musst submitted werden.

Du musst gegen kleinere Menschen verlieren.

Du musst gegen Frauen verlieren.

Du musst gegen ältere Menschen verlieren.

Du musst gegen Menschen verlieren, die vielleicht körperlich deutlich schwächer sind als du.

Und irgendwann musst du sagen können:

„Okay. Ich habe verloren. Was habe ich daraus gelernt?“

Das ist eine unglaublich wertvolle Fähigkeit.

Warum der permanente Siegeswille am Anfang so gefährlich ist

Gerade körperlich starke Anfänger haben hier ein besonderes Problem.

Wenn jemand deutlich stärker, schwerer oder explosiver ist als sein Trainingspartner, kann er fehlende Technik zunächst teilweise kompensieren.

Er kann sich festhalten.

Er kann jemanden herumwerfen.

Er kann aus einer schlechten Position heraus explodieren.

Er kann mit seinem Gewicht Druck erzeugen.

Und plötzlich denkt er:

„Das funktioniert.“

Aber er hat nicht gelernt, warum es funktioniert.

Noch schlimmer:

Er entwickelt möglicherweise Gewohnheiten, die später nicht mehr funktionieren.

Wenn er irgendwann auf jemanden trifft, der technisch besser ist, funktioniert seine Kraft nicht mehr.

Und jetzt fehlt ihm das technische Fundament.

Er hat nicht gelernt, weil er seine körperlichen Vorteile benutzt hat, um das Lernen zu vermeiden.

Und genau hier entstehen Verletzungen

Wenn dein einziges Ziel lautet:

„Ich darf diese Runde nicht verlieren.“

wird eine Niederlage irgendwann zu einer Bedrohung.

Und wenn eine Niederlage sich wie eine Bedrohung anfühlt, steigt die Intensität.

Du wirst hektischer.

Du hältst stärker.

Du ziehst härter.

Du explodierst.

Du lässt nicht los.

Du akzeptierst keine schlechte Position.

Und dein Trainingspartner macht dasselbe.

Plötzlich kämpfen zwei Menschen nicht mehr miteinander, um Jiu-Jitsu zu lernen.

Sie kämpfen darum, nicht zu verlieren.

Das ist eine ziemlich schlechte Kombination.

Gerade Anfänger wissen oft noch nicht, wie viel Kraft sie einsetzen können, ohne ihren Trainingspartner oder sich selbst zu gefährden.

Und sie wissen häufig auch noch nicht, wann eine Position wirklich gefährlich wird.

Deshalb kann das „Ich muss gewinnen“-Mindset nicht nur den eigenen Lernfortschritt bremsen, sondern auch unnötige Verletzungen verursachen.

Aber soll ich dann einfach meinen Partner gewinnen lassen?

Nein.

Und das wäre der andere Fehler.

„Lernen zu verlieren“ bedeutet nicht:

„Ich lasse einfach alles mit mir machen.“

Du solltest weiterhin versuchen, das Spiel zu gewinnen.

Wenn dein Partner dich sweepen will, solltest du versuchen, den Sweep zu verhindern.

Wenn er dich submitten will, solltest du versuchen zu entkommen.

Wenn du eine dominante Position bekommst, solltest du versuchen, sie zu halten.

Du musst es ernst meinen.

Sonst lernst du ebenfalls nichts.

Das ist genau die Balance:

Du versuchst zu gewinnen – aber du bist nicht davon abhängig, zu gewinnen.

Das ist ein riesiger Unterschied.

Das Training ist kein Wettkampf

Ein Anfänger muss verstehen:

Eine Trainingsrunde ist kein Beweis für deinen Wert.

Wenn dein Trainingspartner dich submitted, bedeutet das nicht:

„Er ist ein besserer Mensch.“

Es bedeutet:

„In dieser Situation hat sein Jiu-Jitsu besser funktioniert als deins.“

Super.

Jetzt weißt du etwas.

Vielleicht hat er deine Guard passiert.

Dann weißt du, dass du an deiner Guard arbeiten musst.

Vielleicht hat er dich aus einer bestimmten Position submitted.

Perfekt.

Jetzt weißt du, welche Position du besser verstehen musst.

Vielleicht hast du zehn Minuten lang versucht, aus einer schlechten Position zu entkommen und bist zehnmal gescheitert.

Das ist nicht zehnmal dasselbe Versagen.

Das sind zehn Datenpunkte.

Anfänger wollen oft zu früh gewinnen

Das ist vielleicht der größte Fehler.

Du hast gerade deine erste Woche Jiu-Jitsu hinter dir.

Du kennst vielleicht fünf Techniken.

Dein Trainingspartner kennt fünfzig.

Und trotzdem möchtest du ihn unbedingt besiegen.

Warum?

Du bist nicht hier, um zu beweisen, dass du bereits gut bist.

Du bist hier, weil du lebenslang lernen willst.

Das ist der ganze Sinn des Trainings.

Ein Anfänger sollte eigentlich froh sein, wenn er merkt:

„Wow, ich habe gerade überhaupt keine Ahnung, was ich machen soll.“

Denn genau dort beginnt Lernen.

Der beste Trainingspartner ist nicht der, der dich immer gewinnen lässt

Das ist ebenfalls wichtig.

Ein guter Trainingspartner schenkt dir nicht ständig den Erfolg.

Er gibt dir Probleme.

Er lässt dich arbeiten.

Er setzt dich unter Druck.

Er zwingt dich, Entscheidungen zu treffen.

Aber er versucht gleichzeitig nicht, dich zu zerstören.

Das ist der Unterschied zwischen Widerstand und Rücksichtslosigkeit.

Du brauchst Widerstand, um zu lernen.

Du brauchst keine Rücksichtslosigkeit.

Ein guter Trainingspartner möchte, dass du dich entwickeln kannst.

Nicht, dass du dich verletzt.

Was du stattdessen lernen solltest

Wenn du Anfänger bist, solltest du nicht versuchen, jede Runde zu gewinnen.

Du solltest versuchen, jede Runde für etwas zu nutzen.

Zum Beispiel:

„Heute möchte ich einmal meine Guard wirklich spielen.“

Oder:

„Heute möchte ich versuchen, aus Side Control zu escapen.“

Oder:

„Heute möchte ich nicht sofort in Panik geraten, wenn jemand auf mir liegt.“

Oder:

„Heute möchte ich meine Technik anwenden, auch wenn sie noch nicht funktioniert.“

Jetzt hast du plötzlich eine Aufgabe.

Und wenn du dabei submitted wirst?

Egal.

Du hast trainiert.

Du hast etwas ausprobiert.

Du hast Informationen gesammelt.

Du hast vielleicht sogar genau die Information bekommen, die du gebraucht hast.

Das ist der Unterschied zwischen Ego und Lernen

Das Ego fragt:

„Wer hat gewonnen?“

Der Lernende fragt:

„Was habe ich gelernt?“

Das Ego fragt:

„Warum hat der mich besiegt?“

Der Lernende fragt:

„Was hat er gemacht, das ich nicht verstanden habe?“

Das Ego sagt:

„Ich darf diese Position nicht verlieren.“

Der Lernende sagt:

„Ich will diese Position verstehen.“

Das ist der Mentalitätswechsel, den ein Anfänger möglichst früh lernen sollte.

Verlieren ist nicht das Gegenteil von Fortschritt

Verlieren ist ein Teil von Fortschritt.

Natürlich willst du irgendwann gewinnen.

Natürlich willst du im Sparring besser werden.

Natürlich willst du Wettkämpfe gewinnen.

Aber bevor du zuverlässig gewinnen kannst, musst du sehr oft verlieren.

Du musst lernen, wie sich schlechte Positionen anfühlen.

Du musst lernen, wann du tappen musst.

Du musst lernen, wann du kämpfen kannst.

Du musst lernen, wann du loslassen musst.

Du musst lernen, ruhig zu bleiben.

Du musst lernen, dass dein Ego nicht geschützt werden muss.

Und vielleicht am wichtigsten:

Du musst lernen, dass eine Niederlage dich nicht kleiner macht.

Sie zeigt dir lediglich, wo du gerade stehst.

Besonders am Anfang ist Verlieren ein Trainingswerkzeug

Wenn du neu bist, kannst du noch nicht zuverlässig zwischen einem guten Risiko und einem schlechten Risiko unterscheiden.

Du weißt vielleicht noch nicht:

Wann solltest du kämpfen?

Wann solltest du eine Position aufgeben?

Wann solltest du eine Submission verteidigen?

Wann ist ein Escape sinnvoll?

Wann ist es besser, zu tappen und neu anzufangen?

Diese Dinge lernst du nicht dadurch, dass du jede Runde um jeden Preis gewinnst.

Du lernst sie dadurch, dass du Situationen erlebst.

Du wirst submitted.

Du tappst.

Du probierst etwas aus.

Du scheiterst.

Du probierst es wieder.

Und irgendwann erkennst du:

„Ah. Das ist der Moment, in dem ich anders reagieren muss.“

Das ist Lernen.

Du musst lernen, deine körperlichen Vorteile nicht als Krücke zu benutzen

Gerade für starke oder athletische Anfänger ist das eine wichtige Lektion.

Wenn du stärker bist als dein Trainingspartner, kannst du viele technische Fehler kaschieren.

Aber genau deshalb solltest du besonders vorsichtig sein.

Denn Kraft ist ein Werkzeug.

Sie sollte deine Technik unterstützen.

Sie sollte nicht deine Technik ersetzen.

Wenn du immer mit maximaler Kraft arbeitest, wirst du nie herausfinden, was du technisch tatsächlich kannst.

Und irgendwann kommt jemand, der stärker, schwerer, schneller oder einfach technisch besser ist.

Dann funktioniert deine bisherige Strategie nicht mehr.

Wenn du bis dahin nie gelernt hast, technisch zu lösen, beginnt dein eigentliches Lernen erst dann.

Eine Niederlage kann dir mehr zeigen als ein Sieg

Wenn du jemanden leicht besiegst, kannst du manchmal gar nicht genau sagen, warum du gewonnen hast.

Vielleicht warst du stärker.

Vielleicht warst du größer.

Vielleicht hat dein Partner einen Fehler gemacht.

Vielleicht warst du einfach schneller.

Eine Niederlage ist dagegen häufig sehr eindeutig.

Du weißt:

„Meine Guard hat nicht funktioniert.“

„Ich konnte den Druck nicht halten.“

„Ich wusste nicht, wie ich aus dieser Position herauskomme.“

„Ich habe zu spät getappt.“

„Ich habe unter Druck aufgehört zu denken.“

Das sind konkrete Informationen.

Und konkrete Informationen sind wertvoll.

Dein Ziel sollte nicht sein, möglichst wenig zu verlieren

Gerade Anfänger denken häufig:

„Ich muss besser werden, damit ich nicht mehr verliere.“

Das ist verständlich.

Aber es ist die falsche Reihenfolge.

Du solltest besser werden, damit du mehr verstehst und mehr lösen kannst.

Und wenn du dabei zunächst weiterhin verlierst, ist das völlig in Ordnung.

Vielleicht verlierst du heute fünf Runden.

Aber in jeder Runde lernst du etwas.

Vielleicht verlierst du in drei Monaten immer noch.

Aber plötzlich weißt du genau, warum.

Und irgendwann kommt die Phase, in der du dieselbe Situation nicht mehr verlierst.

Nicht weil du beschlossen hast, nicht mehr zu verlieren.

Sondern weil du gelernt hast, was zu tun ist.

Und irgendwann beginnt sich das Verhältnis umzudrehen

Am Anfang verlierst du vielleicht fast jede Runde.

Dann verlierst du weniger.

Dann kannst du bestimmte Positionen halten.

Dann kannst du bestimmte Angriffe verhindern.

Dann kannst du deine eigenen Angriffe durchsetzen.

Dann kannst du einen besseren Trainingspartner vor Probleme stellen.

Dann gewinnst du vielleicht eine Runde.

Und plötzlich merkst du:

Der Sieg fühlt sich anders an.

Er ist nicht mehr der Beweis:

„Ich bin gut.“

Er ist einfach die Konsequenz daraus, dass du eine bestimmte Situation inzwischen besser verstehst.

Das ist ein viel stabileres Selbstvertrauen.

Du versuchst zu gewinnen – aber du bist nicht davon abhängig

Das ist wahrscheinlich die wichtigste Aussage dieses gesamten Artikels.

Wenn du mit deinem Partner sparrst, sollst du es ernst nehmen.

Du sollst versuchen, deine Position zu halten.

Du sollst versuchen, deine Techniken durchzusetzen.

Du sollst versuchen, nicht submitted zu werden.

Du sollst versuchen, zu gewinnen.

Aber wenn du verlierst, darf das nicht dein gesamtes Training zerstören.

Denn dann kannst du die Niederlage benutzen.

Du kannst sie analysieren.

Du kannst Fragen stellen.

Du kannst die Position später noch einmal ausprobieren.

Du kannst deinen Trainer fragen.

Du kannst beim nächsten Training daran arbeiten.

Das Ergebnis der Runde ist nicht das wichtigste Ergebnis des Trainings.

Das wichtigste Ergebnis ist:

Was hast du danach mehr verstanden als vorher?

Das ist Jiu-Jitsu

Jiu-Jitsu ist kein Sport, bei dem du irgendwann aufhörst zu verlieren.

Selbst Weltmeister verlieren.

Schwarzgurte verlieren.

Trainer verlieren.

Jeder verliert.

Der Unterschied ist, was du mit der Niederlage machst.

Du kannst dein Ego schützen.

Oder du kannst etwas lernen.

Du kannst dich darüber ärgern, dass dein Trainingspartner besser war.

Oder du kannst herausfinden, warum.

Du kannst versuchen, deine Niederlage beim nächsten Mal zu vermeiden.

Oder du kannst versuchen, die Fähigkeit zu entwickeln, die dir beim letzten Mal gefehlt hat.

Die zweite Variante dauert manchmal länger.

Aber sie führt deutlich weiter.

Am Anfang ist deine Aufgabe nicht, möglichst wenig zu verlieren

Deine Aufgabe ist, so viel wie möglich aus dem Verlieren zu lernen.

Du bist Anfänger.

Du musst nicht gut aussehen.

Du musst nicht jede Runde gewinnen.

Du musst nicht deinen Trainingspartner beeindrucken.

Du musst nicht beweisen, dass du stark bist.

Du musst lernen.

Und Lernen bedeutet zwangsläufig, Dinge zu tun, die du noch nicht kannst.

Das bedeutet, dass du scheitern wirst.

Du wirst tapen.

Du wirst verlieren.

Du wirst Fehler machen.

Du wirst manchmal völlig ratlos sein.

Das ist kein Zeichen dafür, dass du schlecht bist.

Das ist ein Zeichen dafür, dass du gerade etwas Neues lernst.

Lerne zu verlieren

Irgendwann solltest du in der Lage sein, eine Runde zu verlieren, aufzustehen, deinen Gürtel zu richten und einfach zu denken:

„Okay. Interessant.“

Nicht:

„Was für ein Idiot bin ich?“

Nicht:

„Ich muss den jetzt unbedingt besiegen.“

Nicht:

„Das darf nie wieder passieren.“

Sondern:

„Warum hat das funktioniert?“

„Was habe ich nicht verstanden?“

„Was muss ich lernen?“

Das ist der Moment, in dem eine Niederlage zu einem Trainingswerkzeug wird.

Und genau deshalb ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, die du als Anfänger entwickeln kannst, nicht das Gewinnen.

Es ist die Fähigkeit, zu verlieren, ohne aufzuhören zu lernen.

Denn du versuchst zu gewinnen.

Immer.

Aber du bist nicht davon abhängig.

Du bist hier, um Jiu-Jitsu zu lernen.

Und manchmal ist eine Niederlage dafür die beste Unterrichtsstunde, die du bekommen kannst.

Bei Joshimitsu BJJ Solothurn

Bei uns geht es im Training nicht darum, dass du jede Runde gewinnen musst.

Wir wollen, dass du lernst, mit schwierigen Situationen umzugehen.

Du sollst Widerstand erfahren.

Du sollst gefordert werden.

Du sollst versuchen, deine Techniken durchzusetzen.

Aber du sollst auch lernen, mit Niederlagen umzugehen, ohne dein Ego oder deine Sicherheit aufs Spiel zu setzen.

Denn Jiu-Jitsu ist mehr als die Fähigkeit, einen anderen Menschen zu besiegen.

Es ist die Fähigkeit, unter Druck ruhig zu bleiben, Fehler zu akzeptieren, aus ihnen zu lernen und immer wieder weiterzumachen.

Wenn du genau das lernen möchtest, bist du bei uns willkommen.

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