Was ich vom Competen gelernt habe – vom White bis zum Black Belt
Als ich als White Belt angefangen habe zu kämpfen, habe ich alles verloren. Ich hatte keine Ahnung, wie man für Turniere trainiert – ich bin einfach hingegangen und hab gehofft, dass es irgendwie läuft. Mein erster Sieg überhaupt kam durch einen Hip-Bump-Sweep in die Mount – und das war im Grunde schon das Highlight auf diesem Gurt. Ich war vor jedem Wettkampf nervös, schon die Anmeldung hat mir Bauchweh gemacht.
Als Blue Belt habe ich dann entschieden, dass sich das ändern muss. Ich habe angefangen zu reisen – Brüssel, Dublin, Paris, einfach überall dorthin, wo es ein Turnier gab. Grappling Industries war perfekt, weil man immer mindestens vier Kämpfe hatte. In der Zeit habe ich wahrscheinlich 60 bis 80 Matches gemacht, und mit jedem wurde ich ein bisschen ruhiger, ein bisschen klüger, ein bisschen selbstbewusster.
Purple Belt war während der Pandemie, also eine komische Zeit. Ich habe ein paar Turniere gemacht, die Ergebnisse waren gemischt, aber die Nervosität kam stark zurück. Als Gym-Besitzer und später als Brown Belt wurde es sogar noch schwieriger – ich hatte plötzlich Angst davor, „vor meinen Schülern“ zu verlieren, auch wenn sie gar nicht da waren. Irgendwann haben mir meine Coaches gesagt, ich soll erstmal mit Competen aufhören und mein Game komplett neu aufbauen. Das war der beste Rat, den ich je bekommen habe. Aus der anfänglich 3 Monate lang, geplanten Pause, wurde letztlich über ein Jahr ohne Wettkampf. Statt einfach nur hinzugehen konnte ich ein echtes System zu entwickeln – mit Fokus auf Guard, Struktur und Timing – und langsam kam das Selbstvertrauen zurück. Mut genug um hinzugehen hatte ich schon. Aber teilnehmen können und alle Matches bis zum Finale zu gewinnen sind schon zwei verschiedene Sachen.
Als ich dann wieder auf die Matte gegangen bin, war ich ein anderer. Ich habe wieder angefangen zu gewinnen, Silber bei der IBJJF Geneva Open in der Open Class, danach mehr Gold Medaillen Medaillen bei AJP und IBJJF. Später kamen die großen Turniere: Europeans, Abu Dhabi Grand Slam. Immer noch Auf und Ab – aber ich habe endlich verstanden, warum ich gewinne oder verliere.
Als ich meinen Black Belt bekam, fühlte ich mich nicht „bereit“ (wer tut das schon?). Aber ich bin trotzdem gestartet. Lokale Turniere liefen super, internationale waren brutal. Ich wurde von Top-Leuten zerlegt, aber konnte auch in harten Matches mithalten. Heute sehe ich Competition nicht mehr als etwas, das man gewinnt oder verliert – sondern als Werkzeug, um zu lernen. Und zu lernen wie man über mehrere Matches hinweg fehlerfrei und klug kämpft, ist wohl das schwierigste was ich je versucht habe zu lernen. Competition ist das ehrlichste Feedback, das man bekommen kann. Das schwierigste bisher wohl ist die innere Haltung. Man muss selbstbewusst sein und um jeden Preis gewinnen wollen. Aber man darf seinen Gegner auch nicht unterschätzen und muss ihn erst nehmen.
Ich bin nicht der Athletischste, nicht der geborene Competitor – aber ich mache trotzdem weiter. Weil Competen dich zwingt, dich deinen Ängsten zu stellen, deine Fehler zu erkennen und besser zurückzukommen. Und genau das will ich meinen Schülern am meisten zeigen.

