Warum du dich für dein Jiu-Jitsu-Turnier früh anmelden solltest

Du hast beschlossen, dein erstes Jiu-Jitsu-Turnier zu kämpfen.

Sehr gut.

Du suchst dir ein Turnier aus, schaust dir die Ausschreibung an – und dann passiert etwas sehr Merkwürdiges:

Du findest deine Gewichtsklasse und deine Altersklasse.

Aber dort steht:

0 competitors.

Also wartest du lieber noch.

Eine Woche später: immer noch niemand.

Du wartest weiter.

Dann sind es noch drei Tage bis zum Anmeldeschluss und plötzlich meldest du dich panisch an – natürlich zum höchsten Preis.

Und genau das ist eigentlich die schlechteste Strategie.

„Aber ich habe noch keinen Gegner!“

Das ist wahrscheinlich einer der häufigsten Gründe, warum sich Leute nicht früh anmelden.

„Ich bin Master 2, Blue Belt, -85 kg und da ist noch niemand. Was, wenn ich am Ende keinen Gegner habe?“

Die Antwort ist ziemlich einfach:

Das wissen die meisten Veranstalter bereits.

Bei einem Jiu-Jitsu-Turnier gibt es eine enorme Anzahl möglicher Divisionen. Unterschiedliche Geschlechter, Altersklassen, Gürtel, Gewichtsklassen und teilweise weitere Unterteilungen ergeben schnell Dutzende oder sogar weit über hundert mögliche Divisionen.

Natürlich können nicht alle davon besetzt sein.

Deshalb haben Turnierveranstalter Regeln dafür, wie leere Divisionen zusammengelegt werden.

Bei vielen Turnieren findest du diese Regeln unter Begriffen wie „How we merge divisions“ oder „How we merge classes“.

Dort steht beispielsweise, welche Altersklassen zusammengelegt werden, wenn es in einer Division keinen Gegner gibt, oder welche Gewichtsklasse als Nächstes infrage kommt.

Je nach Veranstalter kann es auch vorkommen, dass bei kleineren Turnieren weitere Klassen zusammengelegt werden.

Das Entscheidende ist:

Dass heute noch niemand in deiner Division steht, bedeutet nicht automatisch, dass du keinen Gegner bekommen wirst.

Und wenn du wirklich wissen möchtest, was im konkreten Fall passiert, gibt es eine ganz einfache Lösung:

Lies die Regeln.

Und wenn du sie nicht verstehst:

Frag den Veranstalter.

Aber bitte nicht 30 Minuten vor Anmeldeschluss.

Wenn niemand sich anmeldet, gibt es auch niemanden

Hier wird die Logik besonders absurd.

Du denkst:

„Ich melde mich noch nicht an, weil noch niemand in meiner Division ist.“

Dein potenzieller Gegner denkt genau dasselbe:

„Ich melde mich noch nicht an, weil noch niemand in meiner Division ist.“

Und so warten zwei Menschen darauf, dass der jeweils andere sich anmeldet.

Das ist kein besonders produktives System.

Bei vielen Turnieren werden die Divisionen erst im Laufe der Anmeldephase richtig voll.

Wenn du drei oder vier Monate vorher nachschaust, kann deine Division komplett leer sein.

Das sagt zu diesem Zeitpunkt relativ wenig darüber aus, wie das endgültige Teilnehmerfeld aussehen wird.

Early Bird ist nicht nur Werbung

Ein weiterer guter Grund, sich früh anzumelden:

Es ist günstiger.

Viele Turniere haben mehrere Anmeldephasen.

Frühe Anmeldung: günstiger.

Spätere Anmeldung: teurer.

Sehr späte Anmeldung: noch teurer.

Und dann gibt es trotzdem regelmäßig Leute, die sich am letzten Tag anmelden und sich anschließend darüber beschweren, dass Wettkämpfe teuer sind.

Gerade bei Jiu-Jitsu können die Startgebühren erheblich sein. Je nach Veranstalter, Turnier und Anzahl der Divisionen können schnell 100 CHF oder mehr zusammenkommen; bei großen internationalen Veranstaltungen können die Kosten noch deutlich höher sein.

Wenn du ohnehin vorhast zu kämpfen, warum solltest du freiwillig mehr bezahlen?

Wenn du weißt, dass du kämpfen möchtest, nutze den Early-Bird-Tarif.

„Aber was ist, wenn ich mich verletze?“

Das ist natürlich ein legitimer Einwand.

Jiu-Jitsu ist ein Kontaktsport.

Du kannst dich verletzen.

Und niemand kann dir garantieren, dass du drei Monate vor einem Turnier gesund bleiben wirst.

Aber auch dafür haben die meisten Veranstalter Regelungen.

Die genauen Bedingungen sind unterschiedlich.

Bei manchen Turnieren gibt es bis zu einem bestimmten Datum eine vollständige Rückerstattung, später eventuell nur noch eine teilweise Rückerstattung.

Bei anderen Veranstaltern gibt es beispielsweise einen Gutschein für ein zukünftiges Turnier.

Auch bei Verletzungen gibt es bei manchen Veranstaltern spezielle Regelungen, teilweise in Verbindung mit einem ärztlichen Attest.

Die Bedingungen sind nicht überall gleich.

Deshalb gilt:

Nicht raten.

Nicht hoffen.

Nicht fünf Minuten vor Anmeldeschluss panisch werden.

Lies die Refund- und Cancellation-Regeln des konkreten Turniers.

Dann weißt du, welches Risiko du tatsächlich eingehst.

Frühe Anmeldung hat noch einen viel wichtigeren Vorteil

Der größte Vorteil einer frühen Anmeldung ist nämlich gar nicht das Geld.

Es ist das Commitment.

Du klickst auf „Register“.

Du hast bezahlt.

Du stehst auf der Teilnehmerliste.

Und plötzlich ist aus

„Ich könnte irgendwann mal kämpfen“

geworden:

„In drei Monaten kämpfe ich.“

Das verändert dein Training.

Plötzlich hast du einen Grund, regelmäßig zu kommen.

Du hast ein Datum.

Du hast ein Ziel.

Du weißt, worauf du hinarbeitest.

Und dein Training bekommt einen anderen Charakter.

Du trainierst nicht einfach nur Jiu-Jitsu.

Du bereitest dich auf etwas vor.

Spät anmelden macht alles unnötig kompliziert

Wenn du dich erst am letzten Tag anmeldest, hast du gleichzeitig zehn Fragen:

„Was passiert, wenn ich keinen Gegner habe?“

„Mit welcher Division werde ich zusammengelegt?“

„Was passiert mit meiner Gewichtsklasse?“

„Wann ist Wiegen?“

„Wie funktioniert das Bracket?“

„Was passiert, wenn ich mich verletze?“

„Bekomme ich mein Geld zurück?“

„Was passiert, wenn sich meine Division noch verändert?“

Und dann schreibst du dem Veranstalter.

Einen Tag vor Anmeldeschluss.

Zusammen mit hundert anderen Leuten, die genau dieselben Fragen haben.

Das ist für niemanden besonders angenehm.

Der Veranstalter bekommt kurz vor Ende der Registrierung plötzlich eine Flut von E-Mails.

Die anderen Wettkämpfer schauen auf ihre Brackets und sehen, wie sich kurz vor Schluss ständig etwas verändert.

Und du selbst hast kaum noch Zeit, Antworten auf deine Fragen zu bekommen.

Das gesamte System wird unnötig hektisch.

Dabei könnte man einen Großteil davon Monate vorher in Ruhe klären.

Und deine Brackets werden sowieso noch nicht endgültig sein

Auch das ist wichtig zu verstehen.

Wenn du dich früh anmeldest und drei Monate vorher in deinem Bracket drei Gegner siehst, bedeutet das nicht, dass genau diese drei Menschen am Wettkampftag dort stehen werden.

Menschen verletzen sich.

Menschen sagen ab.

Menschen wechseln Divisionen.

Menschen melden sich nachträglich an.

Divisionen werden zusammengelegt.

Das Teilnehmerfeld verändert sich.

Das ist völlig normal.

Deshalb solltest du nicht versuchen, Monate vorher dein endgültiges Bracket zu analysieren.

Deine Aufgabe ist viel einfacher:

Melde dich an. Trainiere.

Der Veranstalter kümmert sich um den Rest.

Wenn du kämpfen willst, melde dich an

Natürlich gibt es Ausnahmen.

Vielleicht bist du tatsächlich unsicher, ob du überhaupt antreten möchtest.

Vielleicht ist das Turnier finanziell für dich gerade schwierig.

Vielleicht hast du eine Verletzung.

Vielleicht sind die Bedingungen des Veranstalters für deine konkrete Situation problematisch.

Dann solltest du natürlich abwägen.

Aber wenn dein einziger Grund lautet:

„Ich melde mich noch nicht an, weil aktuell niemand in meiner Division ist.“

dann ist das meistens kein besonders guter Grund.

Schau dir die Regeln an.

Schau dir die Merge-Regeln an.

Schau dir die Refund-Bedingungen an.

Und wenn etwas unklar ist, frag den Veranstalter.

Aber mach es frühzeitig.

Unser Rat an unsere Wettkämpfer

Wenn du dir vorgenommen hast, an einem Turnier teilzunehmen, dann behandle die Anmeldung als Teil deiner Vorbereitung.

Such dir das Turnier aus.

Lies die Regeln.

Prüfe die Merge-Regeln.

Prüfe die Refund-Bedingungen.

Melde dich früh an.

Und dann:

Trainiere.

Du musst nicht wissen, wer in drei Monaten in deinem Bracket stehen wird.

Du musst nicht wissen, ob heute schon jemand in deiner Division ist.

Du musst auch nicht Monate vorher wissen, wie genau dein Turniertag aussehen wird.

Du brauchst nur ein Datum, ein Ziel und die Bereitschaft, dich darauf vorzubereiten.

Denn genau darum geht es beim Wettkampf:

Du entscheidest dich heute für eine Herausforderung, die erst in einigen Monaten stattfindet – und benutzt die Zeit dazwischen, um zu jemandem zu werden, der dieser Herausforderung gewachsen ist.

Und wenn du schon weißt, dass du kämpfen möchtest:

Warte nicht darauf, dass dein Gegner sich zuerst anmeldet.

Melde dich an.

Mach das Commitment.

Und dann geh trainieren.

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