Warum fühlt sich Brazilian Jiu-Jitsu am Anfang so schwer an?

Und warum beginnen trotzdem so viele Erwachsene genau mit diesem Sport?

Wer zum ersten Mal Brazilian Jiu-Jitsu ausprobiert, hat häufig dieselbe Reaktion:

"Ich hätte nie gedacht, dass das so schwierig ist."

Viele Erwachsene gehen nach ihrem ersten Probetraining nach Hause und sind überrascht. Nicht nur körperlich erschöpft, sondern vor allem mental. Manche fragen sich sogar, ob sie überhaupt sportlich genug für diesen Sport sind.

Die gute Nachricht ist:

Fast jedem geht es am Anfang so.

Und genau deshalb lohnt es sich zu verstehen, warum sich Jiu-Jitsu so anders anfühlt als viele andere Sportarten.

Ist Brazilian Jiu-Jitsu wirklich so schwierig?

Ja.

Ich würde sogar sagen, Brazilian Jiu-Jitsu gehört zu den anspruchsvollsten Hobbys, die man als Erwachsener beginnen kann.

Nicht, weil andere Sportarten einfach wären.

Sondern weil im Jiu-Jitsu unglaublich viele Fähigkeiten gleichzeitig gefragt sind.

Du brauchst Kraft.

Du brauchst Ausdauer.

Du brauchst Beweglichkeit.

Du brauchst Balance.

Du brauchst Koordination.

Du brauchst räumliches Vorstellungsvermögen.

Du brauchst Timing.

Du musst unter Druck Entscheidungen treffen.

Und gleichzeitig versucht ein anderer Mensch aktiv, genau das zu verhindern.

Diese Kombination findet man nur in sehr wenigen Sportarten.

Aber ich bin doch sportlich…

Diesen Satz hören wir häufig.

"Ich gehe dreimal pro Woche ins Fitnessstudio."

"Ich laufe regelmäßig zehn Kilometer."

"Ich habe früher Fußball gespielt."

"Ich habe Kickboxen gemacht."

Das alles ist großartig.

Und ja – es hilft.

Aber häufig nicht so, wie man es erwartet.

Was bedeutet eigentlich "sportlich"?

Wenn jemand einen Marathon läuft, würden wir sagen:

Der ist sportlich.

Wenn jemand 200 Kilogramm Kreuzheben schafft?

Auch sportlich.

Ein Turner?

Natürlich ebenfalls.

Aber stell dir Folgendes vor:

Der Marathonläufer soll plötzlich einen Handstand machen.

Der Gewichtheber soll einen Marathon laufen.

Der Turner soll zum ersten Mal rudern.

Plötzlich sehen alle wieder wie Anfänger aus.

Nicht, weil sie unsportlich sind.

Sondern weil Sportlichkeit immer vom jeweiligen Kontext abhängt.

Deshalb ist die Aussage:

"Ich bin sportlich."

eigentlich unvollständig.

Die bessere Frage lautet:

Sportlich… wobei?

Hilft mir meine bisherige Sporterfahrung?

Ja.

Aber sie ersetzt kein Jiu-Jitsu.

Je nachdem, was du vorher gemacht hast, bringst du unterschiedliche Stärken mit.

Vielleicht hast du durch Krafttraining mehr Kraft.

Vielleicht durch Fußball eine gute Ausdauer.

Vielleicht durch Yoga mehr Beweglichkeit.

Vielleicht durch Turnen eine außergewöhnliche Körperkontrolle.

Vielleicht durch Judo oder Ringen sogar Fähigkeiten, die sich direkt übertragen lassen.

All das macht den Einstieg leichter.

Aber:

Niemand überspringt dadurch die Anfängerphase.

Denn Jiu-Jitsu ist keine Sammlung einzelner Bewegungen.

Es ist ein eigenes Bewegungssystem.

Warum fühlt sich Jiu-Jitsu so überwältigend an?

Weil dein Gehirn plötzlich Dinge gleichzeitig lösen muss, die es vorher nie lösen musste.

Wo ist mein Gleichgewicht?

Wo ist meine Hüfte?

Wo sind meine Hände?

Wo sind die Griffe?

Wo ist mein Gegner?

Wie bewege ich mich?

Was macht mein Trainingspartner gerade?

Welche Technik war das noch einmal?

Und das alles passiert innerhalb weniger Sekunden.

Unser Gehirn liebt Vorhersagbarkeit.

Es möchte Situationen verstehen.

Es möchte Kontrolle.

Im Jiu-Jitsu bekommt es am Anfang genau das Gegenteil.

Fast jede Situation fühlt sich neu an.

Deshalb verlassen viele Anfänger die Matte nicht nur körperlich erschöpft, sondern auch geistig völlig leer.

Dazu kommt noch etwas, das viele unterschätzen

Die meisten Erwachsenen hatten seit ihrer Kindheit keinen engen Körperkontakt mehr mit fremden Menschen.

Plötzlich liegt jemand auf dir.

Jemand hält dich fest.

Jemand kontrolliert deine Bewegungen.

Jemand nimmt dir den Platz zum Atmen.

Das löst zunächst Stress aus.

Das ist völlig normal.

Mit der Zeit lernt unser Nervensystem jedoch, ruhig zu bleiben.

Man beginnt, Situationen zu analysieren, statt nur auf sie zu reagieren.

Und genau dort beginnt echtes Lernen.

Das Besondere an Brazilian Jiu-Jitsu

In vielen Sportarten trainierst du hauptsächlich mit Menschen auf ähnlichem Niveau.

Im Fitnessstudio macht jeder sein eigenes Training.

Im Yogakurs bewegen sich alle ungefähr gemeinsam.

Auch viele Freizeitgruppen anderer Sportarten bestehen überwiegend aus Menschen mit ähnlicher Erfahrung.

Im Brazilian Jiu-Jitsu ist das oft anders.

Es kann sein, dass auf derselben Matte trainieren:

  • jemand im ersten Probetraining,

  • ein Blaugurt,

  • ein Braungurt,

  • ein Schwarzgurt,

  • ein mehrfacher Europameister,

  • oder sogar ein Weltmeister.

Und anschließend rollen alle miteinander.

Das ist außergewöhnlich.

Deshalb schätzen viele Anfänger sich falsch ein

Ein Anfänger trainiert fünf Minuten mit einem Schwarzgurt.

Danach denkt er:

"Ich kann überhaupt nichts."

Natürlich nicht.

Du hast gerade mit jemandem trainiert, der vielleicht seit fünfzehn Jahren nahezu täglich auf der Matte steht.

Das wäre ungefähr so, als würdest du zum ersten Mal Tennis spielen und anschließend gegen Novak Djokovic antreten.

Niemand würde danach sagen:

"Ich bin völlig untalentiert."

Im Brazilian Jiu-Jitsu passiert genau dieser Denkfehler ständig.

Warum fühlen sich sogar sportliche Menschen plötzlich unsportlich?

Nicht, weil sie plötzlich ihre Athletik verloren haben.

Sondern weil ihnen Fähigkeiten fehlen, die außerhalb von Grappling kaum trainiert werden.

Zum Beispiel:

  • Druck kontrollieren.

  • Druck nachgeben.

  • Spannung bewusst dosieren.

  • Den eigenen Körper unter Widerstand koordinieren.

  • Balance am Boden.

  • Bewegungen früh erkennen.

  • Den eigenen Körper im Raum wahrnehmen.

Viele dieser Fähigkeiten existieren im Alltag kaum.

Deshalb fühlt sich fast jeder Anfänger zunächst unbeholfen.

Ist Brazilian Jiu-Jitsu überhaupt nur ein Sport?

Ja.

Aber nicht nur.

Es ist gleichzeitig:

🥋 Sport.

🧠 Problemlösen.

🎯 Strategie.

🤝 Kommunikation über Bewegung.

📚 Und ein lebenslanges Lernsystem.

Deshalb sagen viele erfahrene Schwarzgurte irgendwann:

"Ich studiere Jiu-Jitsu."

Nicht:

"Ich trainiere Jiu-Jitsu."

Jiu-Jitsu ist wie eine neue Sprache

Vielleicht ist das der beste Vergleich überhaupt.

Niemand erwartet, nach drei Wochen Spanisch fließend sprechen zu können.

Warum erwarten wir das dann im Jiu-Jitsu?

Ein Schwarzgurt kennt nicht einfach mehr Techniken.

Er erkennt Muster.

Er versteht Zusammenhänge.

Er reagiert intuitiv.

Genau wie jemand, der eine Sprache fließend spricht, nicht mehr über jedes einzelne Wort nachdenken muss.

Jede Trainingseinheit erweitert dieses Vokabular ein kleines Stück.

Und genau deshalb entsteht Fortschritt nicht in einer spektakulären Einheit.

Sondern durch Hunderte ganz normale Trainingseinheiten.

Warum machen das trotzdem so viele Erwachsene?

Vielleicht genau deshalb.

Unsere Welt wird immer bequemer.

Wir bestellen Essen per App.

Algorithmen zeigen uns genau die Inhalte, die wir mögen.

Viele Probleme verschwinden auf Knopfdruck.

Brazilian Jiu-Jitsu macht das Gegenteil.

Es konfrontiert uns bewusst mit Situationen, die wir heute noch nicht lösen können.

Und zeigt uns gleichzeitig:

Du kannst lernen, sie zu lösen.

Nicht heute.

Nicht nächste Woche.

Aber wenn du immer wieder auf die Matte gehst.

Das ist eine Erfahrung, die weit über den Sport hinausgeht.

Unser Ansatz bei Joshimitsu BJJ

Wir glauben nicht, dass jeder Mensch Wettkämpfer werden muss.

Aber wir glauben, dass jeder Mensch davon profitieren kann, regelmäßig etwas Schwieriges zu lernen.

Deshalb legen wir in unserem Unterricht großen Wert auf Technik, Struktur und eine Trainingskultur, in der Anfänger genauso willkommen sind wie erfahrene Wettkämpfer. Niemand muss bereits "sportlich genug" sein, um anzufangen. Wichtig ist nur die Bereitschaft, immer wiederzukommen und Schritt für Schritt zu lernen.

Unser Gym richtet sich an Menschen, die spüren, dass ein bequemes Leben nicht automatisch ein erfülltes Leben ist. Für Menschen, die sich nicht beweisen, sondern entwickeln wollen. Für Menschen, die glauben, dass Charakter dort entsteht, wo man aufhört, schwierigen Dingen aus dem Weg zu gehen.

Wenn du herausfinden möchtest, wie sich Brazilian Jiu-Jitsu wirklich anfühlt, schau dir unseren Trainingsplan an oder buche direkt ein kostenloses Probetraining. Wir freuen uns darauf, dich auf der Matte kennenzulernen.

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🥋 Interview mit Moritz Köllensperger